Ich fahr Rad

4000 Höhenmeter später – ein Radler-Zwischenfazit zum Pustertal

Das Pustertal ist wirklich anders. Vor allem für Radfahrer die auch gerne Nebenwege fahren wollen. Mal kurz den Weg da links nehmen, kann Konsequenzen haben. Aber: vorweg – wir haben enorm viel Spaß in dieser Region und gaaanz viel Erholung gefunden. Kurz gesagt: es lohnt sich. Aber wer hier zum radeln herkommt, sollte sich nur darüber im klaren sein: das ist eine Wandergegend. Und sie bietet Höhenmeter sobald man aus der Haustür tritt oder losfährt. 

Furkelpass_Südtirol_Dolomiten (1 von 2)

Auf dem Weg zum Furkelpass – 1.300 Höhenmeter. Aber toll!

Höhenmeter vom der ersten Radumdrehung an. Nicht jedermanns Sache. Aber wer einen Faible für die „Gemsen“-Abteilung hat, der ist hier bestens aufgehoben. Füße hochlegen und rollen lassen ist eher nicht die passende Philosophie…Was sagt es einem, wenn beim Wanderangebot im Hotel Quelle ziemlich zügig  6 bis 8 Leute beisammen sind, aber das geführte Mountainbike-Angebot bis morgens kurz vor Abfahrt nur zwei Teilnehmer verzeichnet: uns… Genau: erstmal kommt wandern. Und wer hier trotzdem Radfahren will, der sollte sich mehr auf Höhenmeter und weniger auf Kilometer einstellen. Das ist nicht schlimm – im Gegenteil, das kann toll sein. Man muss es aber mögen…

Ausrüstung und Kondition sollten stimmen

Mit Udo Eling im Pustertal - auf dem Weg zum Furkelpass

Udo Eling ganz rechts – der Mann der erst nach der Tour guckte, wie schwer die Tour war… Furkelpass „als Ründchen“ geht gar nicht…

Noch bevor wir ins Gsiesertal kamen, waren wir ja mit Udo und Philine Eling unterwegs. Unser Ausganggspunkt war für die ersten Tage der Saalerwirt in Maria Saalen. Und wenn man sich die Lage dieses wirklich netten und sehr freundlichen Hotels ansieht, wird die Herausforderung schon klar: um am Ende einer Tour ins Hotel zu kommen, muss man wieder bergauf. Dafür muss Ausrüstung und Kondition stimmen.

 Tipp: Darauf achten wo das Hotel ist. Die letzten Höhenmeter nach einer Tour in der bergigen Region können die Hölle sein. Und der Unterschied zwischen Spaßund Frust!

Udo Eling und Christian Spanik - unterwegs zum Furkelpass

Udo Eling und Christian Spanik – mal wieder gemeinsam per Rad  unterwegs zum Furkelpass

Ich fahr rad – ein paar mal im Jahr zum Biergarten…  Oder: ich fahr rad – und habe ein supergünstiges aber schickes Mountainbike aus dem Baumarkt… Vorsicht: böse Falle. Gelegenheitsradler können hier schnell  an ihre Grenzen stoßen. Und schlechtes Material, das zu nicht mehr als der kleinen Tour zum Biergarten geeignet ist, bringt einen schnell zum fluchen. Und selbst Ausdauer-Radler merken die letzten Höhenmeter deutlich, wenn man schon mal insgesamt an dem Tag über den Furkelpass gefahren ist und dadurch mal eben deutlich über 1000 Höhenmeter auf relativ kurzer Strecke gemacht hat.

Tipp: Auch EBike-Fahrer sollten in dieser Region auf die richtige Einschätzung der Tour achten.

Mit dem EBike auf den Furkelpass

Mit den EBikes ist es leichter – aber planen muss man trotzdem.

Also: Kondition sollte da sein. Auch wenn – wie bei uns – ein Teil der Gruppe mit dem EBike fährt. Denn auch dessen Akku ist endlich, darum sollte man sich das einteilen und nicht die ersten 500 Höhenmeter mit voller Unterstützung fahren. Denn da kommen ja nochmal 800 Höhenmeter und die normale Strecke außerdem dazu. Also: Wer eine längere Tour hier in der Region Pustertal plant, sollte sich selbst und die Technik mit der er unterwegs ist richtig einschätzen.

Gsiesertal_1_ausfahrt_ (4 von 5)Hinweis: Sowas wie den Furkelpass kann man von Maria Saalen aus auch mit dem Rennrad fahren – aber ein gutes MTB wie mein KTM Lycan oder ein vernünftiges Tourenrad sollten für den Großteil der Strecken schon das Mittel der Wahl sein, finde ich.

Wer die Abwechslung liebt: wandern und radeln im Pustertal

Bergwandern im Gsieser-Tal zum Hochstein

Als Ausgleich und zur Abwechslung sollte man gerne auch mal bergwandern…

Keine Empfehlung für monogame Radfahrer, aber ein toller Tipp für Wechselwähler… Kurz gesagt: Ich würde nur für´s  Fahrradfahren alleine hier nicht herkommen. Da ist die Gegend um Bozen und Meran vermutlich sinnvoller und unkomplizierter – zumindest nach meiner Erfahrung vom letzten Jahr. Außer man ist eh der Höhenmeter-Fresser, der gerne jeden Tag Almtouren fährt, die andere Leute schon beim laufen ins hecheln bringen – dann ist zum Beispiel das Gsiesertal perfekt. Höhenmeter-Vernichter bin ich aber nicht. Zum Glück gilt für mich und auch für uns: wir wandern gerne am Berg und über den Berg und wir radeln gerne – und auch da darf dann schon mal einiges an Berg dazwischen sein.

Tipp: Mit der Nutzung von EBikes können in so einer Region auch unterschiedlich starke Partner schöne Touren machen. Sofern der EBike Fahrer Fingersptizengefühl hat.

Radfahren im Pustertal

Wege gibt es viele – aber nicht alles sind für alle Räder geeignet. Und manche nur zum wandern…

Durch den Einsatz von EBike ist das auch kein Problem beim gemeinsamen Radeln. Vor allem wenn die EBike Fraktion versteht, dass man mit einem gewissen Fingerspitzengefühl fahren muss, um den Normalradler nicht permanent an die Hechelgrenze zu bringen. Aber das ist ein eigens Thema und soll ein andermal behandelt werden.

Ein erstes Fazit – noch ohne klassische Radweg-Erfahrung…

Wunderschön: Pustertalradweg und dann weiter nach Brixen

Gemütlicher als die Seitentäler: der Pustertal-Radweg flußabwärts

Fazit: Wer – wie ich – die Abwechslung zwischen wandern und radeln schätzt, kann hier im und vor allem links und rechts vom Pustertal eine tolle Zeit mit vielen schönen Erlebnissen verbringen. Ich persönlich finde, dass wandern eine großartige Ergänzung und Abwechslung zum radeln ist. Darum ist das Pustertal und sind vor allem seine Seitentäler prima für mich. Wer es locker haben will: lieber den Pustertal-Radweg Flußabwärts fahren. Siehe Foto…

Tipp: Wer vor allem leicht radeln will – am besten den wirklich schöne Pustertal-Radweg nehmen. Und die Routen Flussabwärts (ab Toblach bis nach Brixen oder Meran) nutzen. Aber ein paar Anstiege hat es da schon auch – also locker einteilen!

Wer den Urlaub eigentlich ausschließlich unter dem Aspekt Radfahren plant, gar mit Familie, bei ungleicher Sportlichkeit oder mit kleineren Kindern sollte die Seitentäler eher meiden. Vielleicht sogar ganz andere Regionen aufsuchen. Und wer vor allem die Jahreskilometerzahl mit dem Rad im Urlaub aufpeppen will, ebenfalls. Dafür gibt es tolle Flußradwege. Außer man ist ein Triathlet – dann sieht die Welt anders aus. Dann geht hier beides – ich frage mal den Experten in dem Thema: Stephan Goldmann

Eure Meinung? Habt ihr andere Erfahrungen hier in der Region? Oder seht ihr das alles eh ganz anders? Gerne kommentieren – dafür sind die Kommentare da. Denn natürlich ist das alles nur meine Meinung, nach den ersten 7 Tagen in der Region Pustertal. Vielleicht ändert sich diese Einschätzung ja noch. Aber dann werdet ihr die ersten sein, die das erfahren…

Fest steht: wenn man hier fährt, ist man hinterher stolz auf sich (egal mit welchem Rad) weil man sich überwunden hat. Und dann schmeckt das tolle Abendessen gleich dreimal so gut…

Furkelpass Südtirol

Geschafft – am Furkelpass auf 1789 Metern. Es lohnt sich hier bergauf zu radeln…

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