Ich fahr Rad

Mein Hintern hat gesprochen… Jawoll!

Rennradsattel (2 von 2)

Der neue Sattel auf dem Mountainbike ist ein Rennrad-Sattel.

Ich bin ein Brettlsattlfahrer wie es scheint. Das weiß ich seid letzter Woche. Vielleicht mal vorab: ein Brettlsattl – das wäre die Hoch-Eindeutschung der Begrifflichkeit des bayrischen Fahrradhändlers – ist ein Rennrad-Sattel. Also eines von den Dingern, die normalen Gelegenheitsradlern immer respektvolles Augenrollen abnötigen. „Mit dem Ding fährst Du? Ich könnte da keine 3 Minuten drauf sitzen…“

Als Fahrer eines solchen Sattels lächelt man dann (in einer Mischung aus Verständnis und Überlegenheit) und gibt halbgares Fachwissen von sich. Und genau das will ich hier und jetzt nicht machen. Es sind Abhandlungen darüber geschrieben worden, was nun wie und warum richtig ist in Sachen Radsattel. Und die Meinungen dazu sind Legion. Aber das alles interessiert mich mittlerweile weniger. Ich will hier kurz über mein „ersessenes“ Wissen, statt über mein Erlesenes schreiben.

Ein Sattelgeschichte über 10 Jahre…

Sitzergometer (1 von 1)

Ernsthaft – das war mein Rad-Einstieg. Ein Sitzergometer – war halt bequem…

Die Unzahl an Artikeln und Meinungen die ich fand machte mir nämlich Anfangs nur Angst, irgendwas falsches zu machen -egal wofür ich mich entscheide. Ich erzähle also einfach, wie es bei mir war: Ich fahre jetzt seid rund 10 Jahren wieder Fahrrad.  Obwohl das nicht so ganz stimmt. Seit rund 10 Jahren trete ich wieder in die Pedale, wäre korrekter. 2004 habe ich angefangen wieder Sport zu machen. Radeln auf dem Ergometer (ein Sitzergometer, weil es bequemer ist) und „gehen“ war  das Maximum, was ich mir zutraute. Mein Gewicht damals: fast 100 Kilo.

So im Frühjahr 2005 (mit ca. 90 Kilo Eigengewicht) habe ich dann angefangen wieder wirklich Rad zu fahren. 14 km waren das Maximum. Wenn ich mir dann – nach einigen Monaten des regelmässigen radelns – mal vorgenommen habe etwas mehr als 25 km zu fahren, dann habe ich sicherheitshalber mal einen halben Tag eingeplant. Leider finde ich aus der Zeit keine Fotos wo man den Sattel sieht: aber klar war für mich. Der muss weich sein und eine Sattelstützenfederung braucht es auch. Und das war in dieser Zeit auch völlig okay.

ChriS_Kommentar_ (1 von 1)„Am liebsten hätte ich anfangs einen Sattel gehabt, der weich wie ein Kissen ist… Beim kaufen musste der Daumen beim Test im Laden am besten im Sattel versinken…“

KTM-Chronos-2007 (1 von 1)

Mein erstes, echtes, gutes und bis heute heißgeliebtes Tourenrad: das KTM Chronos…

2007 traute ich mich dann erstmals an einen sportlicheren Saatel – für mein nagelneues KTM Chronos. Das Foto (entstanden am Inn) ist aus 2007. Damals „trainierte“ ich für meine erste echte Radtour zusammen mit Udo Eling und Jonas, seinem Sohnemann. Irgendwie hatte ich unvorsichtigerweise erzählt, dass ich gerne radle und mich beschwatzen lassen, dass ich mit ihnen doch im Sommer den Bodensee-Königssee Radweg fahre… Und kaum hatte ich (im April) zugesagt, bekam ich ordentlich Bammel, ob ich da halbwegs mithalten kann… Was tun?

Angst vor der Tour? Erstmal neues Rad kaufen!

Was sagt sich der Techniktyp in mir? Wenn Du nicht weißt ob die Kondition hält – kauf dir erstmal neue Technik…

ChriS_Kommentar_ (1 von 1)„Carbon statt Kondition – das war wohl meine erste Devise…“

Also wurde ein neues richtig gutes Tourenrad gekauft. Bis heute eines der schönsten und besten Räder die ich habe.  Aber klar war auch: da muss jetzt ein anderer Sattel her. Sieht sonst erstens besch… aus und zweitens: man ist dann ja mehrere Tage auf Tour. Auch da muss gute Technik hin. (Dass ich mir vor der Tour Popo-Creme für Notfälle kaufte bleibt aber unter uns, gell…)

Bodensee-Königssee_Radtour_ (1 von 1)

Drei Mann auf einem Weg – einer Erinnerung an meinen ersten großen Radweg: Bodensee – Königssee. Danke Udo und Jonas!

Die Tour selber wurde ein Knaller. Und mein Hintern machte mir klar: so ein etwas härterer Sattel ist gar kein Problem. Radhose sollte passen, Sattel sollte passen und dann geht das tagelang so… Nochmal zusammenfassend: ich hatte mich also – durch regelmässiges Radeln – innerhalb von 3 Jahren vom kompletten weichen Sattel für kurze Touren (unter 25 km) zum  sportlichen und schmaleren Tourensattel-Fahrer entwickelt. Für mich ist damit die erste Empfehlung klar:

ChriS_Kommentar_ (1 von 1)Am Anfang einen Sattel fahren, den man bequem findet und den man sich zutraut. Egal was andere sagen. Und dann mal was anderes probieren, wenn die Touren länger werden.

Neue Räder, neue Sättel…

Erstes_KTM_Lycan_ (1 von 1)

Neue Radtypen sind eine gute Gelegenheit andere Sättel zu probieren. Zum Beispiel beim Mountainbike.

Der Rest ist schnell erzählt. Im Lauf der dann folgenden Jahre habe ich zuerst angefangen Mountainbike zu fahren. Im Bild sieht man mein erstes KTM Lycan aus 2010. Der Sattel der dabei war, war schon sportlich und schmal. Den habe ich dann zwar gegen einen etwas breiteren ausgetauscht – aber auch dieser Sattel wäre einer derjenigen gewesen vor denen ich drei Jahre vorher augenrollend und eher ängstlich gestanden wäre. Damit bin ich dann aber problemlos Touren über mehrere Tage und bis zu 100 km am Tag gefahren.

KTM_Revelator_ (1 von 1)

Wenn der Sattel passt ist egal wie es aussieht. Hauptsache man kann damit rollen, rollen, rollen…

Und dann kam die Lust am Rennrad.  Und wie man sieht: der Sattel ist mittlerweile ein klarer Rennradsattel. Auch damit bin ich schon mehrere Tage hintereinander Touren mit Tagesstrecken zwischen 90 und 120 km gefahren. Gerade im Sommer lege ich mit dem Rennrad (wenn ich nicht gerade Almentouren mache oder in meiner Streckenwahl völlig frei sein will) die meisten Kilometer zurück. Und daran muss sich wohl mein Hintern gewöhnt haben. Denn vor ein paar Tagen fiel mir zum wiederholten Male auf, dass mein Hintern mir was sagen wollte: nämlich dass ihm der gute alte Sattel auf dem MTB nicht mehr passt. Und zwar nicht, weil der Sattel zu alt, zu billig oder zu gebraucht ist, sondern weil ich über die Zeit des Radfahrens seit 2004 offenbar mittlerweile gerne anders sitze…

Das Fazit: ich bin ein Brettlfahrer geworden…

Terry-Sattel

War ein paar Jahre genau der richtige für mich: ein Terry Sattel.

Und so bin ich letzte Woche mal wieder in den Fahrradladen – auf der Suche nach einem besseren MTB-Sattel und den Terry-Sattel der mir zwei Jahre gute Dienste geleistet hat auszutauschen. Und da hörte ich ich zum ersten Mal den Begriff: „Du bist halt ein Brettlfahrer…“ Ich hatte nämlich einen Sattel in der Hand, der mir irgendwie zusagte und gefiel, den ich aber eher einem Rennrad zugeordnet hätte. Stand auch drauf. Und da spricht der Mann aus der Beratung zu mir: „Ist doch wurscht was draufsteht. Wenn Du ein Brettlfahrer bist, fahr ein Brettl…“

Und siehe da: mit dem Sattel fühle ich mich deutlich besser. Es ist – zugegeben ein teurer – Fizik-Sattel. Größe und Profil scheinen für mich zu stimmen. Zumindest heute. Mal sehen, was in ein paar Jahren ist.

40.000 Kilometer zum idealen Sattel

Ich hab mal nachgeguckt: in bin jetzt doch schon einiges an Kilometern auf unterschiedlichsten Sätteln und Rädern gefahren. Für mich ist die Lehre daraus klar:

ChriS_Kommentar_ (1 von 1)Mein Fazit insgesamt: über mehr als 40.000 Radkilometer die ich auf Strecke gefahren bin in den Jahren, hat sich mein Verhalten in Sachen Sattel geändert. Ich mag heute eine andere Art als früher. Insofern: es ist vor solchen schmalen Sätteln weder Respekt angebracht und vor breiten, weichen Sätteln kein mitleidiges Grinsen. Für jeden ist der Sattel den er mag und mit dem er seine Touren bewältigen kann, genau der richtige. Aber man sollte den Mut haben, immer mal wieder was neues zu probieren.

Da heutzutage jeder halbwegs vernünftige Radhändler zulässt, dass man einen Sattel probiert und auch mal damit ein paar Tage fährt (besonders wenn es nicht ein ganz besonders billiger Sattel ist) kann man einfach probieren, wenn man das Gefühl hat man will was ändern. Und dann – wie auch bei mir – feststellen, was der Hintern gesprochen hat. Und sich dann neu entscheiden. Nix is fix – schon gar nicht der richtige Sattel.

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Wenn euch die Geschichte gefallen hat freue ich mich über Sternchen. Genauso über das teilen – aber ganz besonders natürlich auch über eure Kommentare und Erfahrungen. Also: nur zu…

2 Kommentare zu “Mein Hintern hat gesprochen… Jawoll!

  1. Ralph

    Du bist mein Held, Christian! Ich habe mein Radpensum nun auch langsam hochgeschraubt, ein „Brettlsattler“ bin ich noch nicht. Aber einmal zum Chiemsee (Grabenstätt) an einem Tag hat schon mal gut funktioniert.
    Mich würde Deine Tourenrad-Empfehlung interessieren. Ist es das am Anfang erwähnte KTM Chronos? Ich brauche noch ein Rad hier für den Chiemgau, in München ist mein Steppenwolf Transterra meine bisher beste Wahl.

  2. Christian

    Hi Ralph – schön, dass Du das radeln für Dich entdeckt hast. Was das Chronos betrifft: das war für mich ein wichtiger Schritt, weil ich aus der Preisklasse vorher (rund 800€) in eine höhere wechseln wollte. Für eine lange Tour müssen halt auch die Komponenten stimmen, habe ich über die Jahre gelernt. Also: Schaltung, Bremsen, Laufräder. Ich musste dann aber feststellen, das die angepeilte Preisklasse (ich wollte so 1.300 ausgeben) fahrtechnisch zum damaligen Focus das ich fuhr zu wenig Unterschied für den Mehrpreis macht. Ich überlegte dann zuerst am Focus Komponenten tauschen zu lassen und entdeckte dann aber hinten im Laden, bei den Rädern ab 1.800 das Chronos. Draufsetzen und sich verlieben war eins… Die Form war sportlich, trotzdem Tourenrad. Die Komponenten – von der Federung bis zur Schaltung – ein Traum. Das war ein komplett anderes Fahrgefühl. Und weil ich meine Frau als Pfand dagelassen habe (sie hat mir das zu Glück nicht übel genommen) durfte ich eine längere Probefahrt machen. Bis heute habe ich des Entscheidung nicht bereut. Ich glaube ich hätte in den Jahren dazwischen mindestens ein weiteres Touren-Rad gekauft, wenn ich das Chronos nicht gefunden hätte. Insofern hat es sich komplett ausgezahlt und ist bis heute – je nach Tour mein treuer Begleiter. Und das gesparte Geld für andere Tourenräder – hmmm…räusper… Habe ich für ein Mountainbike und mein Rennrad ausgegeben. Aber mir macht es Spaß zwischen den Radtypen zu wechseln… Wünsche Dir eine gute Tourenzeit und vielleicht schaffen wir ja mal zusammen eine Runde. Ich bin ja schon mal von der Frankfurter Buchmesse nach Tübingen geradelt. So eine After-Show-Tour könnte doch auch für Dich mal was sein, oder?

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